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- 30 04 2007 - 07:27 - katatonik

Gesamtschulen und Ausländer

Gestern lief im Austrofernsehen eine Diskussionssendung über Pro und Contra der Gesamtschule. Ein Gesamtschulmodell soll im Bundesland Kärnten in relativer Bälde realisiert werden. Anwesend waren als Gesamtschulbefürworter die Bildungsministerin, der Kärntner Landeshauptmann und ein Bildungswissenschaftler, sowie als Gesamtschulgegner eine konservative Bildungspolitikerin, eine Lehrervertreterin und eine Schulschwester (deren Rolle allerdings in dem Abschnitt, den ich gesehen habe, nicht ganz so deutlich war).

In dem Abschnitt, den ich sah, betonte der Kärntner Landeshauptmann unter anderem auch die lokalen Umstände, deretwegen sich Kärnten für so einen Modellversuch eigne, Wien aber nicht. Man hätte in Kärnten ja eben keine Klassen mit so hohem Ausländeranteil wie in Wien. Daher, weil es ja in Wien so viele Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache gäbe, könne man in Wien nicht so einfach die gemeinsame Schule für alle mit innerer Differenzierung (so die Ausdeutung von “Gesamtschule”) einführen. Er hob dann noch eine Schule in Klagenfurt hervor, wo es Kinder aus 25 Ländern gäbe, alle schön individuell betreut.

Ich habe nicht verstanden, weshalb ein hoher Nichtmuttersprachleranteil in der Bevölkerung per se gegen die Einführung einer Gesamtschule spricht, vor allem, wenn die ohnehin in sich so schön differenziert wird.

Der Zusammenhang wurde auch nicht weiter thematisiert. Der so nebenbei geschleuderte Dreck blieb im rhetorischen Raum liegen: Die vielen Ausländerkinder sind schuld, daher die vielen Ausländer, daher etc.pp.

Wobei die zugrundegelegte Annahme, nämlich dass der hohe Nichtmuttersprachleranteil per se das Niveau einer Klasse senkt, meines Wissens längst als unhaltbar gilt. Hätte man ja als Bildungswissenschaftler dann auch betonen können, oder als Moderatorin nachhaken. Es spricht Bände, dass das nicht geschehen ist.


“Vielmehr zeigt sich bereits ab einem Migrantenanteil von 20 % eine sprunghafte Reduktion der mittleren Leistungen auf Schulebene um durchschnittlich knapp 20 Punkte relativ zu Schulen mit weniger als 5 % Schülerinnen und Schülern aus zugewanderten Familien.”

http://www.kmk.org/schul/pisa/PISA3.pdf (Seite 56)

Heison (Sep 27, 01:42) #

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