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- 13 01 2003 - 01:07 - katatonik

Vom Erzählen

Zweimal in den letzten paar Tagen an Cafétischen gesessen, nebenan jeweils zwei miteinander befreundete Frauen, die sich offenbar nach Neujahr erstmals trafen.

In beiden Fällen erzählte die eine der anderen, was sie zu Silvester erlebt hatte. Die andere erzählte nichts.

Die Erzählungen der einen waren ungemein detailliert: Und dann stand ich morgens auf, und dann hatte ich Frühstück mit meinem Bruder, er aß Brötchen, ich dunkles Brot. ... Und dann gingen wir auf diese Party, und die Tapete dort war dunkelblau, und ich trank erst ein Glas Sekt, und dann gingen wir zum Brandenburger Tor, und ich kaufte zwei Dosen Bier, und dann waren wir dort, und ich trank noch ein Glas Sekt.

Die andere hörte zu, gelegentlich mit aufmunternden Zwischenrufen kommentierend.

So ungefähr hört es sich – im Gegensatz dazu – an, wenn unsereiner in ähnlicher Situation war: “Und, wie war Silvester?” – “Hübsch. Gegessen, getrunken, und so. Angenehme Leute. Unneurotisch. ” – “Fein.” – “Und Du?” – “Auch ok. War mit X in Y. Sehr entspannt. Noch ein Wein?”


Noch Kaffee?

gHack (Jan 13, 19:58) #


Nur, wenn Sie die Küchenschürze abnehmen und mir auf der Couch Gesellschaft leisten.

katatonik (Jan 13, 21:11) #


Aber gern!

gHack (Jan 13, 22:17) #


kommt da kein neid auf? wo unsereins versucht ist, ein verhuschtes verpiss dich hinzumurmeln, können sich andere stundenlang lustvoll beschäftigen. ich wollt ich wär ein huhn.

LaTaiga (Jan 21, 22:32) #


Stumpf ist Trumpf. Aber nicht immer. Die wahren Genüsse erschliessen sich halt doch erst mit dem richtigen Sensorium.

gHack (Jan 21, 23:47) #


neid auf detailreiche silvestergeschichten am nebentisch? nein. höchstens etwas ärger vom voyeuristischen standpunkt aus. da führen die gespräche unter erwähnung minuziöser frühstücksdetails auf einen dramaturgischen höhepunkt hin, und der stellt sich dann als genuss zweier dosen bier am brandenburger tor heraus. da ist es doch menschenfreundlicher, allfälligen mithörern den (nach außen hin zumindest) erlebnislosen charakter des eigenen daseins mit einem einfachen "war nett, danke" zu vermitteln.

katatonik (Jan 22, 13:35) #


das finde ich etwas arg unterkühlt, auf einen ganz normalen vorgang mit "war nett, danke" zu reagieren. die hühner sind ehrlicher, weil sie es wirklich so meinen. aber mit dem verschärftem sensorium war es eben nicht "nett". ich glaube, es gibt zwei möglichkeiten, mit langweiligem fitzelkram umzugehen:
1) gar net erst ignorieren
2) "war langweilig, frag nicht weiter"

LaTaiga (Jan 22, 15:38) #


Aber steckt da nicht die Prämisse "Kommunikation muss bedeutungsvoll sein" dahinter? Ich schwafel ja auch viel, wenn der Tag lang ist.

gHack (Jan 22, 15:48) #


nun ja, es ging ja nicht um nettigkeit dem gegenüber-huhn gegenüber, sondern allfälligen mithörern an nebentischen oder so. vielleicht sollte mal jemand einen knigge fürs verhalten gegenüber mithörern in öffentlichen räumen schreiben.

herr hack schwafelt übrigens auch viel, wenn die tage kurz sind, hehe. da gibt es keine saisonalen schwankungen, deucht mir.

katatonik (Jan 22, 16:06) #


Ich bin jetzt ganz still.

gHack (Jan 22, 16:10) #


muh.

katatonik (Jan 22, 16:21) #

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