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- 11 02 2003 - 16:23 - katatonik

Kulturvergleichskleinkram

Sind Schlangen vor Postämtern und Bahnschaltern in Deutschland tatsächlich länger als in Österreich oder handelt es sich bei diesem Verdacht nur um punktuelle Kismet-Erfahrungen in Hamburg und Wien?

Es ist mir seit 1.10.2002 erst einmal gelungen, am Postamt weniger als eine halbe Stunde zu verbringen. Das war am 6.1.2003. Außer mir befand sich kein anderer Kunde im Postamt. Ich war verblüfft. Auch die Postbeamten wirkten so, als würden sie sich ständig im Hinterkopf befragen, was denn hier nicht stimmen würde. Ich erwartete, dass einer plötzlich laut aufschreien würde: “Das ist es! Ich hab’s! Wir haben heute offiziell gar nicht geöffnet!” Böse Blicke durchbohren mich, die einzige Kundin. “Sie da! Raus hier! Geschlossen!”

Hier macht übrigens jeder Postbeamte an jedem Schalter alles. Es gibt keine getrennten Aufgabe-, Abhol- und Geldgeschäfteschalter. Daher gibt es auch immer eine einzige und entsprechend längere Schlange, wo es in Schalterfunktionsdifferenzierungskulturen meist mehrere kürzere gibt.

Die Hamburger Postamtdichte scheint übrigens ihren Namen nicht zu verdienen.

Die Schlangenlänge vor dem Zeitkartenschalter der Hamburger Verkehrsbetriebe dürfte hingegen Hamburg-hausgemacht sein. Man kriegt Wochen- oder Monatskarten nämlich am Automaten nicht, und die Zeitkartenschalterdichte ist, nun ja, ähnlich dicht wie die der Postämter. Mein vorwiegend frequentierter Zeitkartenschalter verkauft übrigens auch Kultur-Eintrittskarten, was die Wartezeit erhöht (“Da hätten wir noch zwei Plätze im Parkett. Wollnse nich? Anderer Tag vielleicht?”). Mit Bahnschaltern habe ich aufgrund von hauptsächlicher Online-Buchung wenig Warteerfahrung. Aber jedesmal, wenn ich an einem vorbeigehe, gehe ich an mindestens zehn Wartenden vorbei.

Die Aufteilung Hamburgs in öpnv-tarifrelevante Zonen ist übrigens kompliziert und wirkt selten dämlich. Es gibt nicht eine Kernzone und sich konzentrisch darum gliedernde Randzonen, sondern eine Kernzone und daran andockende Klein-Randzonen. Zeitkarten muß man für die Kernzone und eine andere Zone lösen, nur Kernzone geht nicht. Blöd, könnte aber daher rühren, dass Hamburg – anders etwa als das alt-imperiale Wien – eben nicht so einfach konzentrisch um ein Zentrum aufgebaut ist und daher die Verkehrszonen nicht so einfach radial angelegt werden können.


Hier haben sie in der Post vor einiger Zeit generell so Nummernziehautomaten eingeführt. Theoretisch könnte man dann bis man drankommt noch was Anderes machen. Aber man weiss natürlich nicht, wie schnell die verschiedenen Leute alle abgefertigt werden. Die Zonierungen in deutschen Nahverkehrssystemen sind meistens idiotisch.

gHack (Feb 11, 20:39) #


Hiho! Antville mag nicht, also nochmal hier: Alles ist OK. Ich versuche später nochmal, Dich zu erreichen.

gHack (Feb 13, 18:55) #


Roger, Doc.

katatonik (Feb 14, 09:36) #

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