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- 8 12 2006 - 09:15 - katatonik

Glatzenkochstress

Es waren Gäste angesagt, es musste gekocht werden. Die Gäste würden zwar erst samstags eintreffen, doch schon dienstags musste gekocht werden.

Ich begann mit Thai-Currys, doch zwischendrin fiel mir ein, dass ich ebendiesen Gästen schon zuletzt Thai-Currys vorgesetzt hatte, und ich wurde leicht panisch. Es galt auch noch, einen Kriminalfall unter freiem Himmel aufzudecken, der mit Professuren und deren Erschleichung zu tun hatte. Es gab also viel zu tun.

Dummerweise waren die für Samstag eingeladenen Gäste schon da, während ich in einer Badewanne dann doch ein Thai-Curry (wieso?) für sie zubereitete, insgeheim noch denkend, ich könnte doch einen Fisch braten, wüsste jedoch nicht, wie man das täte. Die Badewanne stand frei im Raum. Ich schüttete Dinge hinein, war mir dann nicht mehr sicher, ob sich die frische Kokosraspeln (die sollte doch ins Chutney und nicht ins Curry), die in Riesenmengen in die rötliche Currysauce geschüttet wurde, nicht doch irgendwo mit Badeschaum vermischt hatte. Unauffällig schöpfte ich den Badeschaum aus der Currywanne, der meine Frage beantwortete, und goss aus einer gusseisernen Bratpfanne gebratenes Miso mit Petersilie nach.

Niemand bemerkte den Schaumfehler, denn man war mit der Musik beschäftigt, und die Currysuppe schmeckte subtil, kokosig, gut. Kieran Hebden saß auch am Badewannenrand, sprach nicht viel, frug aber immer nach, wenn die Musik wechselte, dabei etwas verwirrt und traumselig wirkend, was seine stete Fragerei weniger nervig wirken ließ, als sie es tatsächlich war. Hebden wippte zu Amon Tobin, hatte dessen Sound aber nicht erkannt, was mich wunderte. Überhaupt ein wunderlicher Kerl, der Hebden Kieran.

T.M., Musikjournalist und mittlerweile wohl Kulturberater für irgendwelche Politikhaberer, aber an diesem Tag hauptsächlich Glatzkopf mit Schnurrbart, stand am Rande der Szenerie am Zaun einer Pferdekoppel, aber er trug ein hässliches, mehrfarbiges Fönwellen-Toupet. War er’s wirklich? Ich beriet mich mit den Gästen, von denen mittlerweile plötzlich einige glatzköpfig geworden waren. Aber wieso interessierte mich das? Jemand atmete mir ins Ohr, während ich mich über ein Manuskript beugte.

[Aufgew.]

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