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- 10 10 2003 - 19:15 - katatonik

Welcome home, Roggenbrot-Zombie!

Das alte Zimmer am alten Institut wieder bezogen, wieder beziehen können, obwohl ich derzeit dort arbeitsrechtlich eigentlich gar nichts bin. Nicht akademisches Proletariat, sondern vielmehr universitärer Zombie.

Als universitärer Zombie male ich mit Kreide nicht an die Tafel, sondern auf mein Gesicht, um Institutsmitarbeitern, Studierenden sowie gelegentlich vorbeikommenden Repräsentanten der außeruniversitären Öffentlichkeit unmißverständlich zu vermitteln, dass sie mit ihren Fragen in Sachen Tibet, Buddhismus und Skiurlaub (der Eingang zum Institut wird gerne mit jenem zum nebenan liegenden Sportreferat der Hochschülerschaft verwechselt) bei mir an der falschen, nämlich inexistenten, Adresse sind.

Den ca. fünf Jahre alten PC in meiner Zombiekemenate begrüßte ich aufs zärtlichste und verwöhnte alle vier Gigabyte seiner Festplatte mit einer halbstündigen Linuxisierung (SuSE 8.2). Wir waren und sind beide entzückt.

Ich begrüßte auch den japanischen Gastprofessor herzlich, der das (sehr geräumige) Zimmer nun mit mir teilt und mich, was mir etwas peinlich ist, sogar um Erlaubnis fragt, sein Lunchpaket auspacken und es verzehren zu dürfen. Er hat mir bereits das Duwort angeboten, und ich nahm es freudig an. Übrigens befinden sich an jedem Institut, an das ich gelange, japanische Gastprofessoren. Das ist nicht weiter beunruhigend. Im Gegenteil, es wäre mittlerweile befremdlich, wäre es anders. Es gibt auch an jedem dieser Institute mindestens einen japanischen und einen koreanischen Gast- oder sonstwie Studierenden. Ich merke mir ihre Namen, ja.

Die E-Mail-Adresse an der Universität sowie der durch ihren Besitz verbilligte ADSL-Zugang konnten für die nächsten zwei Jahre gerettet werden, nachdem das Rechenzentrum bemerkt hatte, dass mein Name seit nun schon mehr als vier Monaten nicht mehr im Personalstand der Universität aufscheint, und nachdem für meine zombieske Tätigkeit die Bezeichnung “Projektbetreuer” ausgetüftelt, mit Institutsstempel akklamiert und erfolgreich an das Rechenzentrum gefaxt wurde. Real ein Zombie, virtuell voll da.

Mittlerweile konnte auch eine Lösung gefunden werden, die für die nächsten paar Monate, bis zum hoffentlich positiven Bescheid des nächsten Stipendiums, die Existenz im Rahmen von Gesundheitssystem und Sozialstaat garantieren soll. Zombies shouldn’t have to die again, no, no.

Für Menschen, die sich hobbymäßig mit dem österreichischen Sozialsystem beschäftigen, mag diese Information erquicklich sein: Es handelt sich um einen freien Dienstvertrag unterhalb der Geringfügigkeitsgrenze von z.Zt. 309 EUR monatlich (nicht mit der Universität, sondern mit einer außeruniversitären Forschungseinrichtung). Nur so kann ich günstig in die hiesige Krankenversicherung eintreten und erwerbe auch jene drei Pensionsversicherungsmonate, die mir am 13.4.2030 eine Scheibe Roggenbrot einbringen werden.

Ein Werkvertrag hingegen – ursprünglich geplant – wäre desaströs gewesen, da ich die letzten 12 Monate in Deutschland nur privat versichert war und somit keine staatliche Versicherung in einem EU-Land genoß. Dann hätte ich zwar ebenfalls für die staatliche Krankenversicherung bezahlen können, allerdings erst nach einer Sperrfrist von sechs Monaten Leistungen in Anspruch nehmen dürfen, was für hypochondrische Zombies einfach unpraktikabel ist. Roggenbrot anno 2030 hätte es dann übrigens auch nicht gegeben.


Oh! Linuxinstallation bei Schnupfen! Das kriege ich ja nicht mal gesund hin :) Wenn Sie ein Zombie sein sollten, dann erklärt das wenigstens, wo mein Hirn hin ist! Sie haben das verschmaust, Sie Zombie, Sie!

gHirrrn! Bringt mir mehr gHirrrrn! (Oct 10, 19:21) #


Es mundete köstlich, wenn auch etwas angebrannt.

katatonik (Oct 10, 19:27) #


burgenländische Gebietskrankenkasse ??

godany (Oct 11, 14:20) #


Weswegen?

katatonik (Oct 11, 15:54) #


wien, dachte ich.
und daß man in der gebietskrankenkasse sein muss, wo man tätig ist, dachte ich.
oder wo man wohntechnisch gemeldet ist?
oder was?
ich wär am liebsten uboot und würd auf roggenbrot pfeifen. die treiben einen in den ruin als selbständige.

godany (Oct 11, 17:29) #


Ach so, zweg'n dem Link. Das war nur, weil die BGKK-Seite die konziseste Zusammenfassung des Konzepts Dienstvertrag war, die ich finden konnte.

katatonik (Oct 11, 18:23) #

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