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- 17 03 2005 - 13:13 - katatonik

Migration und Entscheidung

Zu Gast ein jüngerer Kollege aus Großbritannien, derzeit von einem Forschungsstipendium am Leben gehalten und dabei, sich hie und da um universitäre Stellen zu bewerben. Zwei Bewerbungen auf dauerhafte Stellen hätte er derzeit in England am Laufen, die eine sei allerdings gerade erst entschieden worden; er bekommt die Stelle nicht.

Bei beiden Bewerbungen, sagt er, wäre die hohe Anzahl von Bewerbern aus Deutschland aufgefallen, wo es zur Zeit mit Stellen sehr trübe aussieht. In informellen Gesprächen hie und da sei von Seiten der Universität auch die Meinung geäußert worden, man würde Bewerber bevorzugen, die nicht bei Freiwerden der nächstbesten Professur in Deutschland wieder weggehen würden. Das kann man verstehen. Aber ist es legitim, auf Verdacht hinauf Bewerber aus dem stellenmäßig von Unglück geschlagenem Ausland abzuweisen, weil sie eventuell wieder abhauen könnten? Was garantiert eigentlich, dass inländische Bewerber nicht ebenfalls abhauen würden, wenn ihnen anderswo ein besseres Angebot gemacht wird? Sind solche Erwägungen bei Stellenbesetzungen überhaupt legitim?


Ist das nicht eine Variante des klassischen Arguments gegen die Einstellung von Frauen: "Die kriagt jo dann eh a Kind"? Schon paradox in einer Welt, in der die gleichen Bosse und Personalchefs nach mehr hire-and-fire-Möglichkeiten krähen. Vor allem fire.

gHack (Mar 17, 19:02) #


man weiß ja, das uni-stellen dünn gesät sind und die leute sich bei der ersten gelegenheit wegbewerben. allerdings kann ich aus eigener erfahrung sagen, dass einen auch - neben der auslastung durch arbeit, die einen ja sowieso vom bewerbungschreiben abhält - eine gewisse trägheit ergreift, wenn man den job erst mal hat (der berühmte spatz in der hand) und man dann nicht unbedingt lust hat, sofort wieder umzuziehen usw. was dem obigen argument evtl etwas entgegenwirkt.

saoirse (Mar 18, 14:10) #


es ging im anlassfall ja auch um permanente stellen, wo die wegbewerbungswahrscheinlichkeit doch geringer ist als bei stellen auf zeit. ich tendiere auch zur gHackschen verdachtsvermutung (schwangerenanalogie).

aber an sich interessiert mich die grundsätzliche frage, welche kriterien eigentlich bei berufungen für legitim gehalten werden.

obwohl die ausschreibungstexte, die ich kenne, doch recht klar sind, kommt es immer wieder vor, dass personen auf den ersten listenplatz gelangen, die unter den kandidaten die ausschreibungsbedingungen inhaltlich noch am wenigsten erfüllen - weil zum beispiel die universität sich denkt, sie haben lieber hervorragende wissenschaftler, die dem ausschreibungstext inhaltlich nicht ganz entsprechen, als mediokre passende. legitim?

katatonik (Mar 18, 14:59) #


voll.vom unintressant, <i>welche kriterien eigentlich bei berufungen für legitim gehalten werden</i>, da die mechanismen der seilschaften, unverschrifteten versprechen und andre kungeleien eben diese kriterien aushebeln. immer übrigens

supatyp (Mar 31, 17:25) #


Ihre Desillusionierung in Ehren, aber trotzdem halte ich es für wichtig darauf hinzuweisen, wenn die Kriterien, die am Papier ausschlaggebend sein sollen, gröblich verletzt werden, wenn Prozesse sich eklatant von dem entfernt haben, wie sie ablaufen sollen, wenn offenbar Uneinigkeit darüber besteht, wie sie ablaufen sollen - und auch zu diskutieren, welche Kriterien man eigentlich für legitim hält. Je mehr Diskussion und Öffentlichkeit, umso schwieriger das Hinterzimmerln (nie unmöglich, aber schwieriger).

katatonik (Apr 1, 11:37) #


diese kriterien, werte kollegin, zielen ja zumindest in d auf mehrere adressaten, u a auf das wissenschaftsministerium, was sein okay zu der ausschreibung sprich: zu den aufgeführten kriterien geben muss. + das sind dann schon mindestens 2 möglicherweise unterschiedliche lesarten der kriterien

supatyp (Apr 10, 09:35) #


ah ja. das ist in österreich mittlerweile anders, wg. universitäts-autonomie.

katatonik (Apr 10, 13:27) #

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