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- 14 09 2008 - 22:37 - katatonik

Steinfest, Cheng

Steinfest (1, 2, 3), diesmal “Cheng: Sein erster Fall”, gelesen in einer vom Autor leicht (siehe Nachwort) überarbeiteten Fassung von 2007, wahrscheinlich der wienspezifischste Steinfest mit der größten Anzahl und Dichte feiner Gehässigkeiten, die gesellschaftliche Biotope des Wiens der 1990er abbilden. Über die Erzählstrecke hinweg hie und da Edelsteine aus Absurdistan, in angemessener Beiläufigkeit unaufgeregt präsentiert (so etwa, dass ein sehr populärer Altbürgermeister mit singender Gattin während eines Schneesturms verschwindet, verschollen geht, und nie wieder gesehen ward, was die Wiener Welt einfach so zur Kenntnis nimmt).

Am Ende wird es hastig, freilich. Es gibt bei Steinfest einige so Auflösungsstrecken, wo Charaktere dem untersuchenden Detektiv die Ausschnitte der kriminellen Wirklichkeit, die er hie und da sehen konnte, zu einem Ganzen zusammensetzen. So auch hier. Das gefällt einerseits, weil dem Detektiv, hier ohnehin von Unfall zu Unfall stolpernd (ganz physisch gemeint), nicht bei erwartbar genialischer Kombinatorik zugesehen werden muss. Warum nicht eine ehrenwerte alte Dame, “Kommunistenhur” geschimpft, eine Geschichte erzählen lassen, die Rätsel löst und Fragen beantwortet? Andererseits gefällt es wieder auch nicht, da so komprimiert und überhastet, dass die Konstruiertheit der Erzählung die Erzählung überlagert.

Ganz am Ende wird es sehr absurd, mit (ahem) Hackschen Qualitäten, die hier aber nicht passen, meine ich, weil es kein Hacksches Buch ist, sondern ein Steinfestsches.

Abends dann, nach einem Stamperl Marillenschnaps vom Bauernhof, noch Schwimmen gewesen. In der recht vollen Bahn schwamm auch ein Glatzkopf mit Nasenklemme, der freundlich lächelte. Ich lächelte zurück. Er sah aus wie Steinfest. (Und es sahen nicht alle aus wie Steinfest.)


Steinfest hab ich gern gelesen, weil der Cheng in Wien und in Stuttgart unterwegs ist. Da kenne ich mich ja aus. Gelernt habe ich, dass man ganz schön was an den Haaren herbeiziehen muss, um die Stadt an der Donau noch an Surrealität zu übertreffen.

p3k (Sep 27, 22:34) #

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