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- 27 11 2004 - 22:47 - katatonik

Heinrich Steinfest, “Nervöse Fische”

In einem Swimmingpool am Dach eines Hochhauses in Wien, Alt-Erlaa, wird die Leiche eines Mannes gefunden, dem von einem Hai Arm und Bein abgebissen wurden. Kommissar Lukastik ermittelt, überzeugt davon, dass sich auch dieser scheinbar rätselhafte Fall als gänzlich banal und rätselfrei herausstellen würde (vgl. Wittgenstein, “Das Rätsel gibt es nicht”). Rätsel sind Missverständnisse, aus Ungeduld oder Ignoranz entstanden, denkt Lukastik, der Wittgensteins Tractatus in der roten Taschenbuchausgabe immer mit sich führt.

Heinrich Steinfests “Nervöse Fische”, auf das ich durch eine Empfehlung von Ekkehard Knoerer gekommen bin, hat drei Kapitel: “Zuerst Wien”, “Dann Zwettl”, “Wieder Wien”. Man lernt viel über Hörgeräte und Haie (melancholisch, weil lange Tragezeiten, sind die testosteronreichsten Tiere, die es gibt), auch das Wort “Haibiologe” tritt auf, das ich wahlweise als “Habibologe” oder “Habilologe” verlas, immer, wenn es vorkam. Das Weinhaus Sittl in Wien, das es wirklich gibt, kommt vor. Eine merkwürdige Tankstellen-Bar-Hotel-Kombination bei Zwettl namens “Rolands Teich”, die es nicht mit diesem Namen gibt, kommt vor, sowie eine Ortschaft namens “Nullpunkt”, die die Grenze zwischen Wien und Waldviertel markiert, und in dessen Nähe sich ein Sanatorium namens “Huflattich” befindet. Die Zisterziensermönche des Stiftes Zwettl und ihre Handschriftensammlung spielen eine Rolle, und das Internet, bzw. Webcams aus dem Untergrund von Wien. Viele schöne Ideen, geschichtenmäßig und auch sonst.

Die Bevölkerung des Buches besteht samt und sonders aus sorgfältig, behutsam beschriebenen Exzentrikern, die literarisch erzählen und charakterlich rund sind – keine fahrigen, zerfallenen Wesen, sondern Persönlichkeiten mit durchdachten Marotten und bewussten Charakterzügen Eigentlich ist alles sehr ruhig in diesem Buch, beiläufig, aber konzentriert, und das ist kein Widerspruch. Sogar das inzestuöse Verhältnis, das Lukastik vor Jahrzehnten mit seiner Schwester hatte, ist ein sichtbares Detail am Rande, nicht mehr. Es wird ermittelt, ja, aber nicht allzu viel. Fast möchte man meinen, der Autor will das philosophische Voranschreiten seiner Erzählung auch ja nicht durch allzu viel kriminalistische Genre-Offensichtlichkeit stören. Es gibt auch Ermittlungsfehler, und Unsympathisches am Kommissar. Wir haben es also nicht mit einem Superheldenermittler zu tun, gottseidank.

Man könnte aus einem so sonderbaren Todesfall, inmitten von reflektierten Exzentrikern und allerlei Wahnwitz, ein sehr manieristisches Buch zimmern, aber das sind die “nervösen Fische” überhaupt nicht. Gelegentlich muten die eingeschobenen Allgemeinbetrachtungen etwas manieriert an, ja, so, als suchte der Autor einen Anlass, um auch seine Meinungen zu X oder Y noch irgendwo anzubringen. Aber das ist nicht oft der Fall. Ich sehe schon, ich brauche mehr Steinfest.


die professorin (die sie übrigens gern liest) hat mich auf diese eintrag aufmerksam gemacht: hier gebe es eine empfehlung eines buches von einem gewissen steinmumbl oder so ähnlich, ein krimi jedenfalls, ja, aus österreich. "stein? krimi? österreich? moment:.." nachgeschaut, und dann im gar nicht so großen bücherregal wiedergefunden: der stein des pornographen und cheng. kann ich also auch empfehlen, den steinmumbl.

p3k (Dec 6, 16:15) #


natürlich ist es der nachmittag, nicht der stein des p. akute petrolitis.

p3k (Dec 6, 16:16) #


oh, danke für die freundliche professorinenbemerkung, macht mich gleich nervös, dass hier professorinnen ... huch, vielleicht doch korrekte großschreibung einkehren lassen, ahem, also, ja, und danke für die pornographensteinmumblempfehlung, mit dem hatte ich schon geliebäugelt.

katatonik (Dec 6, 22:54) #

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