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- 4 11 2010 - 21:16 - katatonik

Ein Wort für diese Art Glück

Ich möchte hier nicht unbedingt eine Fahrgastrechkolumne eröffnen und auch kein Füllhorn mit Beschwerden über die deutsche Bahn öffnen. Allerdings ist die Behauptung nur etwa so weit wie Sibirien von der Wahrheit entfernt, dass die Anschaffung eines Smartphones mir bereits mehr als einmal die zeitgerechte Ankunft an einem deutschen Flughafen gerettet hat. (DB App for Android rulez.)

Das geht dann so. Weil ich gerade tagträume und sowieso gerne mit dem Ding rumspiele, sehe ich eine halbe Stunde vor projektiertem Aufbruchstermin (gerechnet ab heimatlicher Teetasse) nach, ob der Zug Verspätung hat.

Das führte heute zur Schockerfahrung, dass da in der Spalte neben dem Abfahrtsdatum in Rot “+120” zu sehen war. Also 120 Minuten. Also weg von der Teetasse und gleich an den Bahnhof. Vielleicht lässt sich ein Alternativpfad finden. Furcht und Pfadfinderethos mischen sich. Menschen können nicht mehr konsultiert werden – zu lange Schlangen, keine Zeit. Die App sagt: ja, da gibt es eine Alternativroute, die zwar einen ICE mit +10 enthält (au, das wird knapp), aber wenn’s ganz schlimm kommt, investiere ich eben ein Vermögen in stückweise Weiterfahrten per Bahn nach Wien. Leidgeprüftenunterhaltungen in Bordbistros haben doch auch gewissen Charme (wir nennen das “Syndrom Bordbistrose”).

Am ersten Umsteigebahnhof gibt es dann 30 Minuten Wartezeit auf den verspäteten Alternativ-ICE. Doch: halt. Was sagt der Blick auf die Anzeigetafel? Hier ist noch ein weiterer Alternativ-ICE. Einer, der gar nicht sein dürfte. Einer, der schon vor fünf Minuten abgefahren ist. Ein fiktionales Objekt, gänzlich unwirklich, in seinem möglichen Übertritt in die Realität nur durch das horizontal an seiner geplanten Abfahrtszeit vorbeiflirrende weiße Band angezeigt, und das Band sagt “voraussichtl. 15 Minuten verspätet”.

Der weitere Verlauf ist ereignislos und führt zum Ziel.

Aber es ist das Glück dieses Momentes, für das ich gerne ein Wort hätte: Wenn der Sekundär-Fuckup einer Institution die Situation rettet, die sie durch einen Primär-Fuckup erzeugt hat. Das ist eine ganz eigene Art von Seligkeit!


Ich wäre Ihnen jetzt gerne zu Diensten gewesen, aber googlen half jetzt leider auch nicht.

the butler (Nov 5, 17:08) #


Die Erfahrung kann ich teilen, auch dass ich sie als beglückend empfunden habe. Dass es dafür ein eigenes Wort geben könnte, ist mir noch nicht in den Sinn gekommen. Vielleicht eine Art Interferenzeuphorie…?

p3k (Nov 26, 14:12) #

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