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- 3 02 2005 - 15:10 - katatonik

Berufungsverfahren

In der Zeit ein Artikel über die Problematik von Berufungsverfahren an deutschen Universitäten und Änderungsvorschläge.

Sehr verwunderlich daran ist, dass die Verlagerung der Entscheidung an die Universitätsspitze hin als unhinterfragt wünschenswert dargestellt wird. “Anders als in Politik oder Wirtschaft hat die Führung der meisten Hochschulen noch immer wenig Einfluss auf die Personalauswahl”, ”... An der ETH Zürich besitzt der Präsident bei jeder akademischen Bestallung das Berufungsprivileg” (und das ist gut so). Naja, vielleicht doch eher “Bestellung” als “Bestallung”, wie auch immer.

Warum ist das aber so wünschenswert? Ist es das? Und ist dieses Hinbiegen der Berufungsmacht auf die Person an der Spitze überhaupt realitätsnah?

Die Beurteilung wissenschaftlicher Kompetenz kann sicher nicht vom Rektor oder Präsidenten (m/w) einer Universität allein geleistet werden kann. Wahrscheinlich muss er (oder sie) sich beraten lassen. Dafür muss ein Gremium einberufen werden (mindestens), Gutachten müssen erstellt werden, ob sie nun ausschließlich Publikationen oder auch Lehrtätigkeit beurteilen, erstellt werden müssen sie jedenfalls. Wie viel Entscheidungskraft hat dabei der Rektor oder Präsident tatsächlich, wenn ohnehin solche Verfahren stattfinden müssen? Ist es unter diesem Umständen dann nicht etwa nur Maskerade (wir tun wie ein Großunternehmen), wenn behauptet wird, der Präsident entscheide?

Wenn man schon die Analogie mit der Wirtschaft herstellt, würde mich auch interessieren, wie eigentlich in Großunternehmen Abteilungsleiter gesucht werden, die so mindestens zwei Führungsebenen unter dem Chef liegen. Befindet da wirklich der Oberboss allein über die Einstellung? Sind da nicht auch andere beteiligt?

Je häufiger ich den Artikel lese, umso ärgerlicher finde ich ihn. Dieses Hinhacken darauf, dass Universitätsprofessoren Beamte sind, dieses Gieren nach amerikanischen Verhältnissen, nach viel radikaleren amerikanischen Verhältnissen, wie die amerikanischen Verhältnisse radikal sind, dieses Andiekandarenehmen, dieses Endlichmehrkontrolleüberdiehabenwollen, dieser Bossismus.


Die "neuen Eliten" haben ganz klar den Rückwärtsgang eingelegt. Führungsmodell: "Aufgeklärter Absolutismus". Kein Wunder, dass die ETH als Vorbild gilt. Fast nur gewinnbringende Fächer. Die geisteswissenschaftlichen Feigenblätter wie das Collegium Helveticum werden konsequent zurückgeknabbert. Man könnte dort ja eventuell darüber nachdenken, was die Kollegen in den Biowissenschaften und in der RFID-Abteilung so treiben. Und Nachdenken ist irgendwie langsam und pfui und verhindert den Fortschritt.

gHack (Feb 3, 15:53) #


Wage es, deinen Verstand nicht zu benutzen!

LaTaiga (Feb 4, 13:21) #


ach, das ist doch nur der verkappte wunsch nach mehr transparenz ("der präsi ist in schuld!") in den berufungsverfahren, die ja sooo unkalkulierbar (unbeeinflussbar) sind, das ist schon nicht mehr schön. zu viele unsicherheitsfaktoren, auf die man keinen einfluss hat. aber sonn präsi allein, den könnte man schon als kroatischer wettpate

supatyp (Feb 5, 20:26) #


transparenz ist: zu wissen, wem man die schuld geben kann.

katatonik (Feb 6, 12:04) #


Verantwortlichkeit ist spätestens seit McKinsey ein Konzept, das für Führungspersonal nicht gilt.

gHack (Feb 6, 12:41) #

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