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- 14 06 2008 - 12:18 - katatonik

Peace Kicking Mission

Der Titel des Films klingt nicht berauschend, ist aber funktional und passend. Peace Kicking Mission, ein einstündiger Film, zeigt, wie ein paar Österreicher und eine Österreicherin in den Kosovo fahren, weil sie dort spontan mit Leuten Fussball spielen wollen.

Die Truppe hat sich nahezu kontaktfrei und fast ins Blaue hinein auf den Weg gemacht, und das tut dem Film gut. Man fährt mit einem Kleinbus durchs Land und spielt mit Kosovaren und Serben, Männern und Buben. Dabei wird auch versucht, Spieler für ein abschließendes Sonntagstournier in Pristina zusammenzusammeln, was auch gelingt, großteils zumindest.

Das ist sehr amüsant, sehr spannend und auch aufschlussreich. Man erfährt viel über den Kosovo und das Leben da. Man trifft die jungen Männer, die ein, zweimal als Asylanten in Europa waren, Deutschland, und dann abgeschoben wurden. Da ist einer, der arbeiten muss, weil sein Bruder nicht arbeiten kann, dessen Kinder aber eben auch ernährt werden wollen, und mehrere Gesprächswindungen in brüchigem Deutsch später kommt heraus, dass der Bruder kriegstraumatisiert ist. Da ist der junge Bauer, der seine Lederweste auch beim Fussballspielen nicht abnimmt und plötzlich Spanisch spricht, fliessend, weil er eine mit den spanischen KFOR-Truppen im Ort affiliierte Freundin hat. Da sind die Wächter an den beiden Ufern der Brücke von Mitrovica, die die Typen mit dem Fussball im Arm immer dann problemlos durchlassen, wenn sie was von “KFOR hat’s uns erlaubt” sagen, und als einer der Fussballösterreicher sich dann einem Polizisten vorstellt als von der PKM, blitzt der Mechanismus der Selbstakronymisierung hervor, der in einem kleinen, als solchem neuen Land mit 4.000 registrierten NGOs wahrscheinlich zum täglich’ Brot gehört. Da ist dann auch der junge Kosovare in einer Kleinstadt, der ein Jugendzentrum betreibt und zwar perfekt in NGO-Sprech Englisch parlieren kann (“promote activities … youth … debate team …”), aber an der Übersetzung der Alltagserzählungen von Dorfbewohnern ins Englische scheitert. Man spürt auch die Ermüdung, die sich angesichts des internationalen Gutmeinangebots vor Ort einstellt (so nach Art von “noch eine Völkerverbindung? Bitte dort hinten, zu den anderen”). Da sind Demonstrationen von Kosovaren, die sich gerne selber regieren würden und nicht zusehen wollen, wie internationale Experten, die 30mal so viel im Monat verdienen wie sie, ihr Land aufbauen. Ja, Fussballspiele sieht man auch, aber eher so nebenbei, finde ich als fussballunaffine Person zumindest.

Wenn Sie in Wien sind, können Sie sich “Peace Kicking Mission” im Top-Kino, 6. Bezirk, die nächsten zwei Wochen anschauen.


und welchen kicker kennen sie? ;)

motzes (Jun 19, 22:09) #


den dritten von links. etwas.

katatonik (Jun 21, 01:02) #

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