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- 14 09 2009 - 20:04 - katatonik

Das Sitzrätsel

Irgendwann in Japan begannen wir uns Gedanken darüber zu machen, wie die Shinkansen-Züge denn so von A nach B fahren und zurück, genauer: was in B passiert, damit der Zug in der Wagenfolge fährt, mit der wir ihn nach A fahrend beobachtet haben.

Eine Shinkansen-Einheit besteht aus acht oder sechzehn Wagen. Dabei ist die Wagen-Numerierung konstant. Wenn man etwa die Strecke von Hakata (Kyūshu im Süden) nach Tōkyō (Norden) als Bezugspunkt nimmt und von einer Achter-Folge ausgeht, so ist Wagen 1 immer in Richtung Hakata. Wenn ich also etwa von Hiroshima nach Tōkyō fahre, ist Wagen 1 der letzte Wagen, fahre ich von dort aus nach Hakata, ist er der erste. Das hat den Vorteil, dass die Markierungen am Bahnsteig konstant bleiben, egal, in welche Richtung der Zug fährt.

Nun ist uns irgendwann eben aufgefallen, dass die Sitzreihen alle in Fahrtrichtung zeigen. Da der Zug seine Wagenfolge starr beibehält, also nicht als ganzer gedreht wird, müssen sich in A oder B kleinere Einheiten drehen. Wir haben wilde Konstruktionen entworfen, Plattformen, Drehscheiben, auf die die einzelnen Wagen der Reihe nach auffahren und dann rotiert werden. Das kam uns nicht unplausibel vor. In Japan gibt es nicht viel, was einem unplausibel vorkommt, wenn man von Vollkornbrot einmal absieht.

Vor unserer Abreise saßen wir dann im Bahnhof Ueno und sahen zu, wie der reizvoll “Skyliner” genannte Flughafenzug nach Narita abfahrbereit gemacht wurde. Plötzlich drehten sich da alle Sitzreihen gleichzeitig. Das war des Rätsels Lösung: Nicht die Wagen, sondern die einzelnen Sitzreihen werden beim Shinkansen in den Endbahnhöfen gedreht. Natürlich gibt es auch ein Youtube-Video davon. Man kann das übrigens auch selbst mit einzelnen Reihen machen, etwa, wenn man zu viert reist.

Der Mechanismus setzt voraus, dass die Abstände zwischen den Sitzreihen großzügig bemessen sind. Und das sind sie.

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