Zwischenzeit
New York, ein Aufenthalt mit wenig Zeit, Planungen für dieses und jenes, was noch zu sehen wäre, mit welcher Bahn wohin, wo umsteigen, wo aussteigen, wie gehen. Ein Diner, oder Deli, oder etwas zwischendrin, das immer mehr und andere Räume hat. Dunkle und dumpf knarzende, große, gekachelte, helle, verwinkelte und hallenartige. Erst nehme ich einen Kaffee. Ich hole ihn direkt bei einem Barrista ab, der in Aussehen und Anmutung Steve Buscemi und seinen Filmrollen gleicht. Ich streife umher, es ist unklar, welche Plätze frei und welche besetzt sind. Es stellt sich heraus, dass viele junge Menschen hier Platz nehmen, um Graphic Novels zu lesen, junge Menschen, die nicht neurotypisch sind. Ich bin begeistert, dass das Deli oder Diner diesen Lesenden Raum gibt. Hier und da auch Tourist*innen, die (wie ich) verwirrt nach Plätzen Ausschau halten, die frei sein könnten. Ich suche Kuchen. Es gibt Tresen, an denen Kuchen und Gebäck ausgelegt sind, sich biegende, wölbende Tresen, die aus gewissen Winkeln einsehbar sind, aus den meisten jedoch nicht. Kuchen, die aussehen wie Apfeltartes oder Schokozeugs, dann aber auch nicht, auf Giger-Alien-Art nicht. Es gibt ältere Damen und Herren, die, Steve Buscemi gleich — der ja auch nicht mehr der jüngste ist —, für Service zuständig sind, sich jedoch zumeist auf anderes konzentrieren. Eine Weißhaarige kredenzt mir nach längerem Spiel mit ihrer Aufmerksamkeit den Kuchen, für den ich mich letztlich entschlossen habe. Ich bin begeistert und finde einen Platz für mich und den Kuchen. Ich bekunde, dass ich den Kaffee noch nicht bezahlt hätte und bezahle Kaffee und Kuchen bei der Weißhaarigen. Musik ertönt, trockene Musik etwas zwischen John Lurie und Angine de Poitrine. Ich bin begeistert und möchte jemandem erzählen, das wäre ja fast wie eine Version von einem Jim-Jarmusch-Film, die Exzentrik und Nicht-Neurotypischsein und Altern und Tourismus vermischt, denke das dann aber nur bei mir. Ich werde beschuldigt, die Zeche geprellt zu haben und erkläre langwierig, wo ich sie beglichen habe. Ich finde mich in Wien wieder und erzähle jemandem, ich wollte doch in New York noch dieses und jenes sehen, aber aus Wien wäre der Flug zu lange dahin, das würde sich für dem Abflug zurück nach Wien leider nicht mehr ausgehen. (aufgew.)