Fond of sand dunes and technical support
Und als ich, mich von nicht wenigen Folgen “Mad Men” durch einige Tage des Dämmerns, Röchelns und Schniefens begleiten lassend, in Episode 3 aus Staffel 4 so eine Gesangspassage aus der Jukebox vernahm, zu der Donald Draper in Kalifornien mit der Tochter der Nachbarin jener Frau tanzt, deren Mannes Namen er angenommen hatte, da wusste ich, das kam von einer Nummer, die ich kannte, kam in einer Nummer vor, die ich kannte, in einer Wendung, die ich mit mehr Leichtigkeit kannte, mit mehr Wolkigkeit. Ich war nicht einmal wirklich sicher, ob es um ein Sample ging. Da war nur ein mehrstimmiger Frauengesang in unkonturierter Gestimmtheit.

Es ist mit technischen Hilfsmitteln recht einfach, wolkigen Erinnerungsphänomenen dieser Art bis zu einem Punkt nachzugehen, wo Einordnung wieder möglich wird. In “Mad Men”, Staffel 4, Episode 3, handelt es sich um “Old Cape Cod” (1957), gesungen von Patti Page (YouTube Link), auf einem Gedicht von Claire Rothrock basierend, die aus Boston stammte. Ein großer Hit der Zeit, für die Entwicklung von Cape Cod zur und als Fremdenverkehrsdestination nicht unerheblich. Cape Cod liegt in der Nähe von Boston. Don Draper lebt in New York, er tanzt zu diesem Hit über Sanddünen und salziger Luft und schnuckeligen kleinen Dörfchen in einer Bar irgendwo in Kalifornien. Das ist eine Pointe.

Die ersten beiden Zeilen des Textes, “If you’re fond of sand dunes and salty air, quaint little villages here and there”, finden sich wieder in Groove Armada’s “At the River”, erstmals 1997 erschienen (Bandcamp link). Der Fama nach gibt es einen technischen Grund, weshalb Groove Armada nur die ersten beiden Zeilen übernahmen: Der Sampler konnte nur Audio von 10 Sekunden Länge auf einmal verarbeiten. Jedenfalls kommt schon allein dadurch die Melodie ins Schweben. Sie hält etwas offen, was Patti Pages Song den Konventionen seines Genres entsprechend abschließen muss.

Meinem Twitter-Archiv zufolge setzte ich am 26. und 27.3.2022 zwei Tweets zur Groove-Armada-Nummer ab. Sie war mir damals durch Spotifys Algorithmus zugetragen wurde. Sie war mir nicht unbekannt, vermeine ich mich, natürlich wolkig, zu erinnern, doch ich hätte nicht sagen können, woher. Sie passte in jene Zeit, in der die Pandemie gesellschaftlich vergessen zu werden begann, in der Impfungen persönliche Risken verringerten, in der sich Möglichkeiten zeigen und Sehnsüchte spürbar werden konnten. In der Schwimmbäder wieder geöffnet wurden. Das ist keine Pointe.