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- 19/12/14 20:29 - katatonik

Paris, Regen


















campfire

- 28/09/13 16:53 - katatonik

Tüdelü

campfire

- 22/09/13 19:30 - katatonik

Variationen in Meer





campfire

- 13/09/13 21:42 - katatonik

Mann und Möwe

campfire

- 10/04/13 21:41 - katatonik

Gediegene Verschrullung

Ein Mann am Stock steigt in den Bus ein, hinter mir. Er erhebt Anspruch auf einen Sitzplatz hinter dem Fahrer, doch eine Frau weist ihn darauf hin, dass da noch ein bequemer, breiter Sitzplatz ein Stück weiter hinten sei, der ja auch für Gehbehinderte ausgeschildert sei. “Ach so”, sagt er, “danke”, und setzt sich. “Ich bin so lange nicht Bus gefahren, wissen Sie.” Alle nicken, wie man eben so nickt, wenn jemand etwas Unerwartetes, unerwartet Persönliches in die fremde Öffentlichkeit sagt. “Seit Montag fahre ich wieder Bus. Davor bin ich das letzte Mal am 4. Januar 1964 Bus gefahren.” Das entspannt die Lage, ja klar, da können Sie sich ja nicht zu recht finden, isjaklar, und alle plaudern anerkennend, wissend durcheinander.

campfire

- 07/04/13 20:21 - katatonik

Wenn Menschen größer wären als Systeme, könnten sie sich nicht verstecken






















campfire [2]

- 06/04/13 16:46 - katatonik

Modalitäten der Bewegung

Mir ist, als wäre ich altmodisch, in einer noch zu empfindenden Weise. Das ist, als würde man unscharf sehen, sich selbst und die Welt, und daher das eine oder das andere, die Welt oder sich selbst, in Dauerirritation behalten.

Im Anflug auf Shanghai zeigt die Fluglinie ein Video, dem man nicht entkommen kann, denn es legt sich gnadenlos über alles, was man sich gerade im persönlichen Unterhaltungssystem so ansehen könnte – Ralph Fiennes’ Coriolanus, oder Wanderlust, oder eine chinesische Serie namens The Lurk (2009), in der ein kommunistischer Untergrundaktivist 1946 die Kuomintang unterwandert und eine Fassadenehe mit einer ebenfalls infiltrierenden Guerillakämpferin führt, sich aber dann wirklich in sie verliebt, etc. pp. (sounds familiar ?)

Das Video, dem man nicht entkommen kann, fordert die Fluggäste zur Gymnastik auf. Die Fluggäste, noch müde, sind amüsiert oder irritiert, aber viele machen mit. Die Stewardessen zeigen Übungen vor, verstärken die Videos, die neben Einzelvorturnern auch Gruppen in Parks zeigen. “Calisthenics” sagen sie, dabei ist darunter auch ein astreiner gomukhāsana (nur der Armteil). Vieles, was ungewohnte Gruppenaktivitäten angeht, die man mit Asien verband, stieß früher vielleicht auf modernistisches Unwohlsein, aber das ist nicht mehr so. Fragen der kulturellen Identifikation haben sich abgelöst, Fragen des postmodernen Spasses haben sich überlebt. Fragen der Selbstoptimierung haben sie ersetzt, sage ich mal so.




campfire [3]

- 14/03/13 20:46 - katatonik

Vessels of delight (San Francisco)




campfire

- 13/03/13 23:59 - katatonik

Where it was bright [Oakland, CA]




campfire

- 07/08/12 21:56 - katatonik

Im Schwimmen kein Lesen

Am freien Tag spazierte ich vom Hotel aus westwärts, eine viel befahrene Straße zwischen Hotels, Business Centres und anderen hohen, nicht zu eng aneinander gebauten Gebäuden entlang. Es war heiß, stickig, schwül, ein Tag, an dem man geht, sich nicht vornehmend, wohin, weil das Gehen kein Ziel haben kann; man kann sich in dieser Luft keine Ziele setzen.

Das Olympiagelände war leer, an einer Seite durch einen hohen Zaun versperrt; eine Pandastatue sichtbar, in der Ferne. Am Zaun entlang eine Straße, ich gehe sie weiter, bis eine Einfahrt in das Gelände führt. Autos fahren hinein und hinaus, überwacht von einem Wächter oder Polizisten, in Uniform jedenfalls. Es gibt einen Fußweg daneben, ich gehe forsch am Uniformierten vorbei, nicht sicher, ob das so geht, ob das so möglich ist. Selbstverständlichkeiten in der Bewegung durch den öffentlichen Raum fühlen sich hier komisch an.

Beton, Parks, Beton. Ich wusste, es würde hier ein Schwimmbad geben, für die Olympischen Spiele gebaut, dann der Öffentlichkeit freigegeben, für recht viel Eintrittsgeld. Das Schwimmbad heisst “Natatorium”. Ich habe meine Schwimmsachen dabei, für den Fall. Das Gebäude lässt sich finden, es ist auch so eine Betonkurve, eine von mehreren nebeneinander. Ich trete ein, aber da sind Billardtische. Schwimmen? Die Jungs an der Rezeption, die womöglich eine Billardrezeption ist, verstehen kein Englisch. Ich mache Schwimmbewegungen. Sie deuten nach unten. (Billard zur Entspannung für die Schwimmer? Andere Muskelgruppen?)

Die Frau am Eintrittskartenschalter spricht kein Englisch; ich spreche kein Mandarin. Es gibt keine englischsprachigen Broschüren mit Eintrittspreisen. Der Grundpreis ist verständlich. Dazu kommt aber eine Entscheidung zwischen zwei Optionen, die ich nicht entziffern kann. Ich nehme die etwas teurere. Man bedeutet mir den Weg zu einem Raum am anderen Ende der Eintrittshalle, vorbei an dem langen Verkaufstresen (bunte Badeanzüge, Schwimmbrillen, Zubehör).

Es gibt eine Schlange in dem kleinen Raum; sie ist gewunden. Andere vor mir hantieren mit Passfotos herum. Habe ich die Option “Monatskarte” gewählt? Andere vor mir füllen eine kleine Karte aus. Auch ich habe eine solche Karte erhalten. Ich kann die Schriftzeichen für “Nachname”, “Geschlecht”, “Alter” erkennen und fülle die Karte aus. Aha, die, die anstehen, bekommen ihren Blutdruck gemessen und ihren Herzschlag. Das macht eine Dame. Eine andere Dame daneben trägt Namen in eine Tabelle ein, Alter auch, und nach dem Gemessenwerden unterschreibt man. Ich tue das auch, so wie alle anderen; ich weiß nicht, was aus diesem Eintrag wird, denn ich werde dort wohl nicht wieder hinkommen, nicht so bald, nicht in diesem Jahr. Wird man sich wundern?

Der Weg zum Pool ist verständlich. Es gibt Schalter, an denen klar ist, dass das Vorzeigen einer Karte erwartet wird. Dafür bekommt man etwas: eine Plexiglasscheibe mit einem Schriftzeichen drauf. Es gibt dann einen nächsten Schalter, an dem man die Plexiglasscheibe gegen einen Kästchenschlüssel tauscht. Das ist einleuchtend und gewohnt.

Vor dem Pool noch ein Schalter. Hier wird nun die dritte der ausgehändigten Karten erwartet. Ich habe sie nicht dabei, muss zurück zu meinem Kästchen und sie holen, ausfüllen, Name, Geschlecht, Alter. Dann darf ich zum Pool. Es ist ein schöner 50m-Pool, in Bahnen getrennt. Bademeister, Badewächter, mit gelben T-Shirts stehen am Rand. Man deutet mir “zwei”, dann in die eine, dann in die andere Richtung. Ich glaube zu verstehen: Man schwimmt auf der einen Seite in die eine Richtung, auf der anderen zurück. Ich wähle die 2. Bahn, in der weniger los ist als in der 1. Es ist ein Sonntag nachmittag, nicht wenige Menschen unterwegs, durchwegs gemischt, Alte, Junge, Mittlere, Kinder im Nachbarpool. Das Tempo scheint eher langsam zu sein.

Nach zwei Längen gibt es etwas Aufregung. Ein Badewächter kommt her, sagt etwas, ich verstehe nicht. Ein anderer Schwimmer, der etwas Englisch kann, erklärt: Wenn ich in einer anderen als der 1. Bahn schwimmen möchte, muss ich erst einen Test absolvieren, denn alle Bahnen außer der 1. wären mehr als 2m tief. Der Test bedeutet, dass ich eine gelbe Badekappe aufsetzen muss und vier Längen schwimmen. Danach soll ich 30 Sekunden im Wasser stehen, ohne Bodenberührung und ohne die Arme einzusetzen, also nur mit Beintätigkeit.

Ich schwimme zwei Längen unter Aufsicht, dann winkt mich der Wächter zu sich, es reicht wohl. Es folgen die 30 Sekunden Wasserstrampeln, aufrecht, unter großem Interesse der anderen Badegäste. Es wird bedeutet, es sei “ok”, ich lache, Menschen klatschen. Andere, die auch mit gelben Testkappen schwimmen, bekommen keinen Applaus, aber die sind auch keine Langnasen mit Unterhaltungswert (Unterhaltungswert, der für die Systeme im Unglücksfall erhebliche Schwierigkeiten schafft, diplomatische Verwicklungen und whatnot; man muss wohl sichergehen, dass der langnasige Schwimmer nicht absäuft, womöglich sicherer als im Falle des einheimischen Schwimmers).

Das Wasser ist etwas trübe und müffelig; ich erinnere mich an Wortsplitter irgendwo im Internetz, die Pekinger Schwimmbäder seien etwas stark, nun ja, urinhältig. Das kann ich nicht bestätigen, nicht vom Geruch her. Haben Trübe und Müffeligkeit überhaupt miteinander zu tun? Es schwimmt sich leicht, kaum jemand ist schneller als ich, so dass wenig Druck da ist, viele sind langsamer, einige schwimmen zu breit oder zu weit links, wie es eben so ist, überall – Schwimmen im öffentlichen Bad ist eine Körperanpassung, eine Übung in Gleichmut, den anderen Körpern gegenüber. Einige Schnelle sind ein paar Bahnen weiter zu sehen. Ich verstehe das System nicht, es gibt keine Ordnung der Bahnen nach Geschwindigkeit, oder ich kann sie nicht erkennen. Das macht aber nichts. Als ich gehe, hat sich eine Schlange vor dem Plexiglas-gegen-Kästchenschlüssel-Tauschschalter gebildet. Ich entschwinde froh in die schwüle Hitze.

campfire [2]